Der Moment, in dem ein Leben kippt
Der Fall Collien Fernandes
von Christian Stoll, 26.03.2026
Die Öffentlichkeit erfährt von dem Vorfall nicht durch ein Gerichtsurteil, das zuvor geduldig Beweise geprüft und Aussagen abgewogen hätte.
Sie erfährt ihn durch einen öffentlich geäußerten Vorwurf, der mit einem Namen verbunden ist.
Die Geduld eines Gerichts bringt die breite Öffentlichkeit nicht auf. Sie kennt nur den Moment. Eine Vorverurteilung ist so gut wie sicher.
Christian Ulmen soll über Jahre hinweg Fake-Profile erstellt und dabei den Namen seiner Ehefrau Collien Fernandes verwendet haben. Er soll pornografische Bilder und Videos hinzugefügt haben, auf denen Frauen zu sehen sind, die seiner Ehefrau sehr ähnlich sehen. Männer glaubten, tatsächlich mit der Schauspielerin, der Kollegin, zu kommunizieren.
Wenn das stimmt, muss es geahndet werden. Keine Frage. Persönlichkeitsrechte wurden verletzt. Es stehen Ehrverletzung, Erniedrigung, Beleidigung und Stalking stehen im Raum.
Die Frage ist: War es notwendig, intime Ehe-Vorkommnisse der Öffentlichkeit zu präsentieren?
Stellte Christian Ulmen eine Gefahr für die Öffentlichkeit dar? Wie sollte das bei einem sexuellen Fetisch möglich sein?
Hatte er seiner Frau gegenüber nicht bereits seine Verfehlungen gestanden, nämlich dass er einen sexuellen Fetisch entwickelt hatte, den er nicht mehr kontrollieren konnte? Ein offen eingestandener Kontrollverlust.
Warum wurde keine interne Lösung gefunden, sondern die Öffentlichkeit gesucht?
Collien Fernandes hätte beispielsweise darauf bestehen können, dass ihr Ex-Ehemann unverzüglich alle erotischen Inhalte auf den Fake-Profilen löscht. Sie hätte verlangen können, dass er die Profile mit dem Hinweis versieht: „Hierbei handelt es sich um Fakes. Jede Ähnlichkeit mit realen Personen ist ohne deren Wissen entstanden.”
Sie hätte eine Unterlassungserklärung fordern und eine Therapie für ihn verlangen können. Schmerzensgeld wäre ebenfalls angebracht gewesen.
Immerhin wurden Persönlichkeitsrechte verletzt. Ehrverletzungen, Erniedrigungen, Beleidigungen und Stalking – sofern die Vorwürfe stimmen, darf das nicht ungeahndet bleiben.
Unabhängig davon, wie die Sache ausgeht, dürfte das Leben von Collien Fernandes und Christian Ulmen nicht mehr dasselbe sein.
Vor allem wird sich das Leben der Kinder ändern. Der Vater trägt einen Makel, der zu Entfremdung und Mobbing führen kann.
Ein Riss durch das Kinderherz entsteht, der bleibt – ein Leben lang.
Der Freundeskreis ist verunsichert, was eine Zerreißprobe für langjährige Weggefährten bedeutet.
Auch das Leben der betagten Eltern von Christian Ulmen wird ein anderes sein. Wie so oft wird sich Scham einstellen, wenn Eltern erleben, dass ihrem Kind etwas Schwerwiegendes vorgeworfen wird. Diese Scham wird sie ein Leben lang begleiten. Scham wiegt schwer.
Wie viel Last darf man einem Leben auferlegen, nur um zu zeigen, dass jemand einen Fehler gemacht hat?